Karrierefaktor Geschlecht
19. Mai 2010 in von Experteer>
„Heutzutage ist das Geschlecht für die Karriere doch egal.“ Diese Aussage ist so häufig zu hören, dass der Eindruck entstehen könnte, hier wird auf den Effekt der „self-fullfilling-prophecy“ gesetzt – einfach ein Statement wie ein Mantra behandeln und so oft wiederholen, bis es irgendwann stimmt. Doch die „handfeste Notwendigkeit“ (René Obermann) der Einführung einer Frauenquote für die Führungsebene der Telekom und die Verabschiedung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) in Deutschland zeigen, dass der Faktor Geschlecht mitnichten keine, sondern – ganz im Gegenteil - eine sehr große Rolle im Arbeitsmarkt spielt. Und ein Blick auf diesbezügliche Zahlen unterstreicht dies: Es gibt im Karrierebereich erkennbare Unterschiede zwischen Mann und Frau – und diese enden nicht beim Einkommen.
Männer verdienen immer noch mehr
Natürlich ist das Gehalt immer der erste Maßstab, anhand dessen Männer und Frauen in ähnlichen Karriere-Positionen verglichen werden. Und bereits hier sind deutliche Differenzen zwischen den Geschlechtern zu erkennen – grundsätzlich scheint dabei zu gelten: Je höher der Karrierelevel, desto größer die Gehaltsunterschiede. So stehen Berufseinsteigerinnen hinsichtlich des Jahresgehalts oft noch ähnlich gut dar, wie ihre männlichen Pendants – ein Blick auf dementsprechende Daten von Experteer zeigt, dass hier ein vergleichsweise geringer Unterschied von rund 1500 Euro zwischen den Geschlechtern vorhanden ist. Ganz anders sieht es da auf höheren Karrierestufen aus: Eine Geschäftsführerin in einem mittelständischen Unternehmen verdient beispielsweise über 17.000 Euro im Jahr weniger als ihr männliches Gegenstück. Insgesamt zeigen die Daten, dass die geschlechtsbezogene „Pay Gap“ im Bereich der Fach- und Führungskräfte im Schnitt bei rund zwölf Prozent liegt.
Frauen werden schneller befördert
Deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind auch beim durchschnittlichen Alter zu sehen, mit dem diese einen bestimmten Karrierelevel erreichen. Allerdings haben hier die Frauen die Nase vorn – im Schnitt erreicht das weibliche Geschlecht den jeweils nächsten Karriereschritt zwei Jahre früher als Männer dies tun. Und ebenso wie beim Gehalt lässt sich auch hier eine exponentielle Entwicklung in den Daten von Experteer erkennen: Während weibliche Berufseinsteiger rund ein Jahr jünger als ihre männlichen Counterparts sind – hier spielt der Faktor Wehr(ersatz)dienst natürlich eine Rolle – liegen die Altersunterschiede zwischen Mann und Frau bei Geschäftsführern im Mittelstand schon bei drei Jahren. Besonders deutlich zeigt sich die diesbezügliche Differenz in der Branche Herstellung Konsumgüter – hier sind weibliche Bereichsleiter rund 4,2 Jahre jünger als ihre männlichen Kollegen.
Vor- und Nachteile für beide Geschlechter
Trotz vieler positiver Entwicklungen bei der Gleichstellung von Mann und Frau im Berufsleben lässt sich also feststellen, dass nach wie vor erkennbare Unterschiede vorhanden sind – dabei sind Frauen zunächst nicht zwangsweise benachteiligt, zumindest nicht hinsichtlich von Beförderungen. Aus Sicht des weiblichen Geschlechts stellt sich dabei aber die Frage, wo der Nutzen einer bevorzugten Beförderung bei gleichzeitiger Benachteiligung im Gehalt liegt. Da letztere offensichtlich nicht auf mangelnde Qualifikation zurückzuführen ist – das zeigt die Bevorzugung bei den Beförderungen sehr deutlich -, empfiehlt es sich, dass gerade Frauen sich im Kontext des Themenfeldes Karriere verstärkt mit dem Thema Gehaltsverhandlung auseinandersetzen. Tipps und Informationen dazu finden Sie in diesem Blog, zum Beispiel im Artikel „Gehaltsverhandlung: Wie aus Zahlen gemeinsame Interessen werden“ unseres Gastautors Sascha Schmidt.