So mancher zog aus, fand einen neuen Job und verlor dabei seine Lebensfreude und Familie. Wie kann das passieren? Antwort: Jede berufliche Veränderung hat seine Auswirkung auf die gesamte Person und deren Umwelt. Im günstigen Falle blüht jemand wieder auf, da die Arbeit endlich wieder Spaß macht. Im ungünstigen Fall beginnt ein Familienmensch eine Wochenendbeziehung, wenn Frau und Kinder sich weigern, von München mit nach Berlin zu gehen. Damit Sie diese Aspekte nicht aus dem Fokus verlieren, lohnt es sich, die Auswirkungen der angestrebten beruflichen Veränderung auf das Privatleben zu überprüfen. Ein hilfreiches Werkzeug hierfür ist das Erstellen einer persönlichen Übersicht. Sie besteht aus vier Kapiteln, nämlich der Ist-Situation, dem Ziel, den wichtigen Personen und Umfeldern sowie der Kommunikation, um das Ziel zu erreichen.

Beschreiben Sie die Ist-Situation!

Schreiben Sie sich einfach auf, wie ihr derzeitiges Leben aussieht und was Ihnen sowie dem betroffenen Umfeld (Familie, Freunde, etc.) wichtig ist. Das kann Ihr geliebtes Eigenheim sein, der bevorstehende Schulabschluss Ihres Kindes, der Beruf Ihrer Frau, das sonntägliche Tennisspielen und so weiter. Ziel der Analyse ist es, dass Sie sich bewusst machen, was Ihnen neben der Arbeit zusätzlich wichtig in Ihrem Leben ist und was Ihr Leben am bisherigen Ort lebenswert macht. Ihnen sollte dazu einiges einfallen. Gleichzeitig werden sie auf Punkte stoßen, die Sie schon lange stören. Auch diese Punkte gehören auf Ihre Liste, denn nun haben Sie die Möglichkeit, diese zu ändern.

Formulieren Sie Ihre Zielvorstellung!

Nun haben Sie eine Basis, um Ihr persönliches Ziel zu formulieren. Es wird Elemente aus der Situations-Analyse geben, die Sie auf jeden Fall in Ihr berufliches Leben in einer neuen Stadt mitnehmen wollen. Andere Punkte hingegen werden Sie getrost und vielleicht mit Freude endlich aufgeben können. Die zentrale Frage ist nur: Wie erreichen Sie dieses Ziel?

Identifizieren Sie Ihre Schlüsselpersonen!

Wie in einem professionellen Change Management Projekt sollten Sie sich fragen, wer ist für Sie wichtig ist und wie Sie mit den Personen die Veränderung managen wollen. Schreiben Sie sich die Schlüsselpersonen Ihres Lebens auf. Versuchen Sie, sich in deren Gefühle und Interessen hineinzudenken, damit Sie eine Vorstellung davon bekommen, wie zum Beispiel Ihre Frau darauf reagiert, dass es von den Alpen in die Hauptstadt gehen soll. Sie müssen unbedingt beachten, dass „Ahnung“ nicht gleich „Gewissheit“ bedeutet, sondern eine Annahme ist. Ihre Annahme müssen Sie in einem Gespräch überprüfen. In einer offenen und ehrlichen Beziehung werden Sie dies gewohnt sein und leicht ausführen können. Nun gibt es eine Vielzahl an eingefahrenen Beziehungen. In diesem Fall kann es sein, dass die Debatte über einen Standortwechsel schnell zu einer Grundsatzdebatte über Partnerschaft an sich wird. Alles ist möglich, und je mehr Sie vorbereitet sind, um so mehr werden Sie agieren statt reagieren.

Unterscheiden Sie zwischen informieren und kommunizieren!

Der Erfolg von Veränderungen hängt sehr stark von der richtigen Information und Kommunikation ab. Der Unterschied: In einer Information teilen Sie Betroffenen mit, dass sich etwas ändert. Die Kündigung der Mitgliedschaft eines Vereines findet klassischerweise als Information statt. Hier liegt ein typischer Fehler in Veränderungsprozessen. Immer wieder glauben Menschen, dass sie Änderungen kommuniziert hätten – in Wirklichkeit haben sie aber lediglich informiert. Dann beginnt die Spirale der Missverständnisse, und das eigentliche Ziel rückt in weite Ferne.

In einer Kommunikation möchten Sie eine Rückmeldung Ihres Gesprächspartners haben. Ihnen ist dessen Meinung wichtig. Als Faustregel gilt: Jeder der von Ihrem Jobwechsel betroffenen Personen wird zunächst einmal von der Nachricht geschockt sein und sich zugleich fragen, was dies für ihn selbst bedeutet. Ihr guter Freund gratuliert Ihnen für den Karriereschritt und sucht innerlich schon Ersatz für Sie, wenn es um die tollen Bergausflüge geht. Damit müssen Sie rechnen. Wenn Ihnen die Ausflüge und die Freundschaft am Herzen liegen, dann können Sie zumindest in der Kommunikation von Anfang an darauf eingehen. Vielleicht haben Sie ja schon ein zukünftiges Szenario entwickelt, etwa indem Sie vorschlagen, zwei Termine im Jahr für diese Ausflüge zu reservieren.

Ich empfehle Ihnen, Ihre Information und Kommunikation genau vorzubereiten. Machen Sie sich Gedanken zu den Fragen: Wen informiere ich und mit wem möchte ich richtig kommunizieren? Wann, wo, wie und wie lange wird der Kommunikationsprozess dauern? Dies ist wieder in Abhängigkeit davon, wie wichtig Ihnen die Person ist. Damit haben Sie eine gute Grundlage, dass Ihr Karriereschritt auch privat ein Erfolg ist und keine Flurschäden hinterlässt.

Autor: Sascha Schmidt – Coaching, Consulting & Mediation in München

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