Wer sich beim Schachspielen ganz auf das Jagen der gegnerischen Dame konzentriert, merkt vielleicht gar nicht, wie die Bauern einen überrumpeln können. In der Bewerbungsphase erliegen einige diesem Tunnelblick – häufig geht es dabei um die Höhe des Gehalts. Dass dabei andere Themen aus dem Fokus geraten, wird nicht bewusst. Wenn dann der Vertrag mit der richtigen Summe zur Unterschrift vorliegt, ist die Versuchung groß, den Füllfederhalter zu ziehen. Erst nach Jobantritt werden die gegnerischen Bauern bewusst, die den Arbeitsalltag völlig anders gestalten als gedacht. Soweit muss es nicht kommen – wenn Sie sich nach erfolgreichen Verhandlungen einen persönlichen Sicherheitscheck erlauben. Er besteht aus einem einfachen Wechsel der Perspektive.

Wechseln Sie in die Adler-Perspektive

Der Teufel liegt im Detail, und die gehen in Verhandlungen oft unter. Tauchen Sie auf und betrachten Sie die ausgehandelten Optionen auf Basis Ihres persönlichen Lebenskonzeptes. Falls Sie sich darüber noch keine Gedanken gemacht haben, dann nutzen Sie jetzt die Chance dazu. Vergleichen Sie die Verhandlungsergebnisse mit den Antworten auf folgende Fragen:

  • Was ist mir wichtig im Leben?
  • Wie werden meine wichtigen Punkte im Ergebnis berücksichtigt?
  • Wie empfinde ich den Bewerbungs- und Gesprächsprozess mit dem neuen Arbeitgeber?
  • Wenn mich was gestört hat, wie habe ich die Sache geklärt?
  • Wo kann ich meine Stärken im neuen Job entfalten?
  • Wie fühle ich mich jetzt?
  • Welche Alternativen habe ich?
  • Was ist für mich attraktiver – das Angebot oder eventuelle Alternativen dazu?

Wenn Sie die Fragen für sich positiv beantworten können, dann werden Sie einen richtigen Schritt machen – auf geht’s. Wenn hierbei alte oder neue Zweifel auftauchen, dann haben Sie Klärungsbedarf, und zwar zuerst einmal mit sich selbst. Am häufigsten machen sich letzte Unterschriftshemmungen fest an den eigenen Alternativen. Sie haben dann die Qual der Wahl. Wie lassen Sie jetzt das Fest nicht platzen, sondern holen auf der Zielgeraden noch das Ihnen Wichtige für den Vertrag heraus?

Dilemma-Botschaft

Kein guter Rat ist es, kurz vor dem Ziel zu drohen, dass alles umsonst gewesen wäre, wenn nicht dieses und jenes noch in den Vertrag aufgenommen werden. Hinterfragen Sie sich doch einmal selbst: Würden Sie mit jemanden zusammenarbeiten wollen, der Sie erpresst oder Ihnen gedroht hat? Also, wie kommen Sie aus dem Dilemma heraus? Ganz einfach, indem Sie das Dilemma benennen in Form einer „Ich-Botschaft“.

Das bedeutet, dass Sie nicht sagen: „Da gibt es noch ein weiteres Angebot, und wenn Sie nicht auf meine Forderung eingehen, dann unterschreibe ich halt das andere“. Mit dieser Friss-oder-Stirb-Taktik werden Sie nicht weit kommen. Falls es doch gelänge, dann würde Ihr Gegenüber nur darauf warten, es Ihnen heimzuzahlen – keine gute Basis.

Eine andere Version ist: „Ich stecke jetzt in einem großen Dilemma, denn mir liegt noch ein weiteres Angebot vor, welches den mir wichtigen Aspekt xy besser erfüllt. Welche Möglichkeiten oder Spielräume sehen Sie hier noch?“ In den meisten Fällen werden Sie so gemeinsam einen Weg finden, den offenen Punkt partnerschaftlich zu lösen.

Autor: Sascha Schmidt – Coaching, Consulting & Mediation in München