Coaching: Worauf Sie achten sollten
31. August 2010 in von Sascha Schmidt>
Der typische erste Reflex eines Managers bei Problemen ist, sich durchzubeißen. Denn wer scheitert, der verliert. Die Bereitschaft, sich mit den eigenen Anteilen an Problemen und Konflikten auseinanderzusetzen, nimmt nur langsam zu. Dieses Thema ist mit Ängsten, Scham und Unsicherheitsgefühlen besetzt.
Es hängt stark von der Unternehmenskultur ab, ob Beratung, Coaching und Training einen guten Ruf besitzen. Wenn ja, dann im Sinne von Investition und Entwicklung von Führungskräften. Egal, ob Sie ein Coaching bezahlt bekommen oder es auf eigene Rechnung buchen, es gibt eine Grundvoraussetzung für den Erfolg: Ihre Freiwilligkeit! Ein Coaching kann Ihnen nur angeboten werden. Wenn Sie es nicht wollen, dann wird es eine Alibiveranstaltung sein. Übrigens: Gute Coaches merken dies im Vorgespräch, und wenn sie wirklich professionell sind, dann lehnen sie solche Aufträge ab.
Wann ist Coaching sinnvoll?
Für die Sinnfrage hat jeder eine individuelle Antwort. Meine Erfahrung zeigt, dass häufig Stillstand in der Karriere oder im Privatleben eine Motivation ist. Weitere Anlässe sind Konflikte, in denen man feststeckt. Direkte Hinweise von Vorgesetzten zu wahrgenommen Defiziten im persönlichen Verhalten und in der Führung sind weitere Faktoren.
So unterschiedlich die Gründe sein können, eines ist ihnen gemeinsam: Die Erkenntnis, dass es an einem selbst liegt! Es sind nicht mehr die Mitmenschen, die Schuld daran tragen. Das Schöne daran ist: Wenn es an Ihnen liegt, dann können Sie es ändern! Ihren Mitarbeiter oder Chef werden Sie hingegen nicht ändern können. Den Umgang mit ihnen jedoch schon.
Jetzt können Sie sich fragen, ob Sie wirklich ein Coaching brauchen oder ob nicht ein Seminar ausreicht? Das hängt natürlich von der Gestaltung eines Seminars ab. Die Erfahrung zeigt, dass Trainings innerhalb von Seminaren sehr wirkungsvoll sind, wenn es um die Vermittlung von Führungs- oder Kommunikationswerkzeugen geht. Die Anwendung derselben ist nicht gesichert. Halten Sie sich vor Augen: Das Bewusstsein denkt, das Unterbewusstsein lenkt. Für die Umsetzung brauchen Sie Ihr Unterbewusstsein. Wie viel von dem Unterbewussten wurde innerhalb des Trainings berücksichtigt?
Wenn das Unterbewusste so eine große Rolle spielt, wie kann das Coaching damit umgehen? Es soll ja keine Therapie sein. Coaching ist ein Lösungsansatz für ein konkretes und damit begrenztes Problem. Im Businessumfeld sind es häufig Führungs- und Karrierefragen. Es geht nicht um eine längerfristige Begleitung durch eine seelische Krise (z.B. Depressionen oder Traumata). Hier sind therapeutische Ansätze vonnöten. Auch hier gilt: Professionelle Coaches kennen ihre Grenzen und verweisen auf andere Hilfsmöglichkeiten.
Wie finde ich einen Coach?
Die gute Nachricht: Sie sind nicht alleine mit Ihrer Thematik. Bitten Sie vertrauenswürdige Personen um eine Empfehlung. Das können Personaler aus Ihrem Unternehmen sein. Das kann Ihr Chef sein. Das können Kollegen sein. Das können Menschen aus Ihrem Freundeskreis sein. Das kann Ihr Arzt sein. Die Liste ließe sich endlos weiterführen.
Wenn Sie hier nicht fündig werden, dann können Sie gezielt im Internet suchen. Es gibt eine Vielzahl an Datenbanken, die Coaching-Anbieter und -Ausbilder listen. Überprüfen Sie die Methodik und Philosophie des Anbieters. Diese sollten auf der Homepage stehen oder sich in Veröffentlichungen wieder finden. Entsprechen der Coach und sein Vorgehen Ihren Vorstellungen? Hören Sie dabei zusätzlich auf Ihren Bauch. Fühlt sich das gut an?
Vereinbaren Sie auf jeden Fall ein telefonisches oder persönliches Vorgespräch. Ich empfehle meinen Klienten bei jedem Vorgespräch, vor der Entscheidung für ein Coaching bei mir mindestens eine Nacht darüber zu schlafen. Wozu? – Weil ich will, dass Sie wirklich und freiwillig etwas bei sich verändern wollen.
Die Wahl eines Coaches und das Vorgespräch sind schon erster Bestandteil eines Entwicklungsprozesses. Sie setzen sich hier schon unbewusst mit sich selber auseinander. Nehmen Sie sich die Zeit und Sorgfalt, die Sie benötigen.
Worauf muss ich achten beim Coaching-Prozess?
Es gibt für mich zwei Grundregeln, die jeder Coach beachten muss. Verstößt dieser gegen sie, dann sollten Sie das Coaching abbrechen bzw. den Coach wechseln.
Vertraulichkeit: Alles was Sie mit dem Coach besprechen, obliegt einer Schweigepflicht. Falls das Coaching von der Firma bezahlt wird und diese etwas über Sie wissen möchte, dann geht das nur, wenn Sie den Coach ausdrücklich ganz oder teilweise von der Schweigepflicht befreien.
Definiertes Thema: Das Coaching umfasst eine vorher definierte Fragestellung. Entwickelt sich der Prozess in eine andere Richtung, dann muss der Coach Sie darauf hinweisen. Sie können dann mit ihm den weiteren Ablauf neu bestimmen. Typisches Beispiel ist, dass innerhalb einer Führungskraftentwicklung herauskommt, dass der Klient eigentlich gar nicht bei der Firma und in der Aufgabe tätig sein möchte. Ist dies der Fall, dann muss sofort das Vertragsverhältnis neu geklärt werden, denn keine Firma zahlt verständlicherweise die „Raus-Entwicklung“.
Es gibt noch eine Vielzahl an weiteren Faktoren, an denen Sie erkennen können, ob das Coaching ein ehrliches und authentisches Gespräch zweier Partner ist. Lesetipp hierzu: 10 Tipps zur Überprüfung eines Coaching-Prozesses.
Der Erfolg hängt am Ende von Ihnen ab. Schon Goethe hat dies treffend formuliert:
„Es ist nicht genug zu wissen,
man muss es auch anwenden;
es ist nicht genug zu wollen,
man muss es auch tun.“
Autor: Sascha Schmidt – Coaching, Consulting & Mediation in München