Time to say good-bye: Der richtige Abschluss mit dem alten Job
19. Juli 2010 in von Sascha Schmidt>
Das Beenden eines Arbeitsverhältnisses hat zwei Dimensionen. Auf der Sachebene funktioniert das Ende häufig gut. Übergabeprotokolle an Kollegen, Einarbeitung von Interimsmanagern oder des Nachfolgers sichern den mehr oder weniger guten Übergang. Doch wie sieht es auf der Beziehungsebene mit Ihren Kollegen und Ihrem Chef aus? Zu häufig wird diese Dimension vergessen oder vernachlässigt. Vergessen Sie nicht: Man sieht sich oft zwei Mal im Leben! Je geklärter Sie Ihren Abschied angehen, umso unvorbelasteter starten Sie in den neuen Job.
Abschied und Rückblick
Nehmen Sie bewusst Abschied von Ihrem bisherigen Beruf, der vertrauten Rolle und Ihren Mitarbeitern oder Kollegen. Ob Sie eine Party oder einen Umtrunk geben, hängt von Ihnen ab. In Konzernen wird eher kühl und formell verabschiedet. In Start-ups knallen schon einmal gerne die Korken im Danceclub. Wählen Sie die Form, die zu Ihnen passt und in der Sie sich wohl fühlen. Es ist Ihr Abschied!
Aus den Augen und aus dem Sinn stimmt leider nicht immer. Es mag Kollegen geben, zu denen Sie Kontakt halten wollen und sollten. Bei anderen hingegen sind Sie vielleicht froh, die Personen nicht mehr zu sehen. In einem persönlichen Rückblick vergegenwärtigen Sie sich, wer weiterhin zu Ihrem Netzwerk gehören soll. Hilfreiche Fragen hierzu sind:
- Welche Personen habe ich lieb gewonnen?
- Wer hat mich gefördert?
- Wer hat ehrliches Interesse an mir gehabt?
- Mit wem habe ich noch einen ungeklärten Konflikt? Lässt dieser sich noch klären?
- Wen möchte ich nie wieder sehen? Warum nicht?
Exitgespräch
Einige wenige Firmen führen mit den Mitarbeitern, die von sich aus gekündigt haben, so genannte Exitgespräche. Die Experten streiten darüber, ob ein Exitgespräch zum Zeitpunkt der Kündigung oder erst nach der Zeugnisübergabe erfolgen sollte. Ihnen kann dies egal sein. In beiden Fällen gilt es, professionell zu sein. Ziel aus Sicht der Personaler ist es, Verbesserungspotentiale für das Unternehmen zu finden bzw. die wahren Hintergründe für Ihre Kündigung zu erfahren. Diesem Ziel sollten Sie sich verpflichtet fühlen. Bleiben Sie daher klar und sachlich.
Das Exitgespräch ist nicht der Raum, in dem Sie Ihren möglichen Ärger freien Lauf lassen. Zumal Sie sich in diesem Falle fragen sollten, warum Sie eigentlich Ärger angestaut haben, anstatt ihn dort zu lassen, wo er hingehört. Nein, im Exitgespräch geben Sie dem Unternehmen konkrete Hinweise, was Sie gestört oder aber auch beflügelt hat.
Formulieren Sie diese Hinweise in einer „Ich-Botschaft“. Das bedeutet: Sagen Sie nicht: „Hier werden keine Talente gefördert“ sondern „Ich habe das Gefühl, dass ich nicht gefördert worden bin und somit keine Karrierechancen erhalten habe.“ Ihr Gesprächspartner wird diese Aussage schon einordnen können. Entweder hat die Firma ein Führungsproblem, oder es gibt bei Ihnen einen zu großen Unterschied in der Selbst- und Fremdwahrnehmung.
Übergangszeit
„Je schneller Sie bei uns anfangen, umso besser. Sie können dann gleich noch dieses und das bewegen.“ Mit diesem Ruf lockt der neue Arbeitgeber. Klar will man sich den Einstieg nicht verderben. Und schon gibt es ein Verzicht auf den geplanten Urlaub in der Übergangsphase. Tun Sie sich das nicht an! Sie brauchen eine Phase der Erholung und des bewussten Abschließens. Nur dann werden Sie mit voller Aufmerksamkeit und Kraft Neues beginnen. Es kann sich rächen, dass Sie einen schnellen und unvorbereiteten Wechsel vorgenommen haben. Typische Beispiele sind Erschöpfung, das Gefühl von Überforderung und die Angst zu versagen. Die schlimmste Folge wäre ein schnelles Burn-out, ohne richtig im neuen Arbeitsumfeld gezündet zu haben.
Wie würden Sie einen entscheidenden Wettkampf vorbereiten und beginnen? Ausgeschlafen, vorbereitet und mental fit, oder müde und erschöpft? Es liegt an Ihnen, welchen Weg Sie gehen. Im neuen Job haben Sie nur eine kurze Schonfrist – die berühmten 100 Tage. In diesen Tagen legen Sie sich selber das Fundament Ihres Erfolges oder Scheiterns. Ein Bestandteil des Erfolgsfundaments ist, dass darin keine Altlasten enthalten sind.
Autor: Sascha Schmidt – Coaching, Consulting & Mediation in München