Führungskompetenz: Wie Sie Autorität und Charisma gewinnen
4. August 2010 in von Sascha Schmidt>
Was macht einen guten König aus? Er regiert mit Güte und Weitsicht. Er schreitet gravitätisch durch sein Leben, Hektik ist ihm fremd. Bei Entscheidungen ist er gerecht und konsequent, harte Strafen setzt er zügig um. Seine Leute spüren seine Macht. Zugleich wissen Sie, dass er sie nur dann einsetzt, wenn es von Nöten ist. Zeichen der Macht wie Zepter, schwere Gewänder und weitere Utensilien braucht er nur selten. Und wenn, dann um zu repräsentieren und nicht, um sich fremden Schein zu borgen. Seine Untertanen folgen ihm gerne. Sie fühlen sich beschützt und zugleich gefordert. Sind Sie so ein König?
Die Frage mag weit hergeholt sein. Erfahrungsgemäß merken Sie jedoch schon daran, wie eine Person einen Raum betritt, ob er Führungskompetenz besitzt. Geht die Person aufrecht, zielbewusst und freundlich auf Sie zu, dann werden Sie sich straffen und in Augenhöhe mit ihr reden. Kommt die Person hingegen reingeschlurft und schaut Ihnen dabei nicht einmal in die Augen, dann werden Sie ihr kaum Beachtung schenken. Es fehlt an Autorität und Charisma. Da hilft dann nicht der größere Firmenwagen, denn Charisma kommt von Innen. Alles andere wirkt aufgesetzt und wird sofort durchschaut. Das Gute: Jeder von uns besitzt persönliches Charisma, wir müssen es nur aktivieren.
Innere Einstellungen
Eine Voraussetzung für Charisma ist, dass die eigene persönliche Identität entwickelt und bewusst ist. Wer sich selber unsicher ist, kann andere nicht sicher führen. Wer mit beiden Beinen im Leben steht, der wird über eine Grundsicherheit verfügen. Die Wege dorthin sind vielfältig. Einfache Fragen und deren Antworten geben Ihnen erste Hinweise, wie fest Sie mit Ihrer eigenen Identität verbunden sind:
- Wer bin ich?
- Wer möchte ich sein?
- Wie groß ist die Diskrepanz zwischen Sein und Wollen?
- Was ist der Sinn meines Lebens?
- Welche Werte sind mir wichtig?
- Wie beeinflussen die Werte meine Entscheidungen?
- Was möchte ich am Ende meines Lebens über mich sagen können?
- Wie werde ich mich mit meinen Schwächen versöhnen?
Sie werden dabei Ecken und Kanten an sich entdecken. Das ist gut so. Führungskräfte und Unternehmer zeichnen sich dadurch aus. Wichtig ist nur, dass Ihre Mitarbeiter wissen, wo sie sich stoßen könnten. Sagen Sie Ihrem Team, was Ihnen wichtig ist. Welche Werte Ihnen am Herzen liegen und welche Konsequenzen Sie bei einem Verstoß dagegen ziehen werden.
Souveränität
Die Selbstsicherheit auf Basis der persönlichen Identität gibt Ihnen Souveränität im Handeln. Souveränität in dem Sinne, dass Sie Themen von einer höheren Warte aus sehen können. Aus der Adlerperspektive heraus erkennen Sie die Nebensächlichkeiten und wirklich wichtigen Dinge. Auf die letzteren konzentrieren Sie sich. Für die kleinen Dinge haben Sie Ihre Experten im Team.
Aber passen Sie auf! Erfahrungsgemäß schreit das Dringende oft lauter als das Wichtige. Nicht alles was dringend gelöst werden muss, ist zugleich wichtig. Hier müssen Sie als Chef unterscheiden können. Ihre Mitarbeiter werden Ihren Überblick zu schätzen wissen. Denn es ist entlastend, sich nicht um Unwichtiges kümmern zu müssen. Denken sie daran, Ihren Leuten Ihren Maßstab mitzuteilen. Zum Beispiel könnte alles Wichtig sein, was Umsatz bringt oder die Qualität der Produkte erhöht.
Legitimation
Ein König ist durch Erbfolge legitimiert. Führt er schlecht, kann es aber sein, dass sich sein Volk von ihm abwendet. Ihre Legitimation könnte darin bestehen, dass Sie aufgrund Ihrer guten Leistungen befördert worden sind. Das reicht aber bei weitem nicht aus. Sie brauchen eine innere Legitimation zum Führen. Ihre Ausstrahlung muss stimmig mit der neuen Rolle sein. Vielen Menschen fällt es erstaunlicherweise schwer, selbstsicher Antworten auf folgende Fragen zu geben:
- Wozu sind Sie an dieser Position und nicht jemand anderes?
- Welche persönlichen Stärken kommen in dieser Position zum Tragen?
- Lese-Tipp: Profilschärfung: Focus auf persönliche Stärken
Die Antworten sind wichtig, denn diese Fragen stellen sich auch Ihre Mitarbeiter in Hinblick auf Ihre Person als Chef. Wozu er oder sie, und warum nicht ich? Wenn Sie dann nicht überzeugen, wird es schwer für Sie im Team. (Siehe hierzu auch Die ersten 100 Tage im neuen Job.)
Führungsgrundsätze
Meine Empfehlung ist, dass Sie sich Ihre Führungsgrundsätze aufschreiben. Damit haben Sie einen Kompass für Ihre Entscheidungen und Handlungen. Mögliche Grundsätze können zum Beispiel sein:
- Ich verhalte mich fair und erwarte Fairness.
- Ich fordere und fördere.
- Aufgaben- und Zielerfüllung haben Priorität. Ich bemühe mich zusätzlich um gute Stimmung im Team.
Wenn Sie Ihre persönlichen Grundsätze leben und durch Handlungen spürbar machen, dann werden Ihre Mitarbeiter Ihnen folgen. Wenn Sie wie ein Fähnchen im Wind agieren, dann verlieren Sie Ihre Autorität und Ihr Charisma.
Autor: Sascha Schmidt – Coaching, Consulting & Mediation in München