Oftmals wird ein Jobwechsel deshalb angestrebt, um die eigene Karriere voranzutreiben. Doch Studien zeigen, dass mitunter das Gegenteil der Fall ist: Wenn Fach- und Führungskräfte  das Unternehmen wechseln, lassen ihre Leistungen oftmals nach. Die Bedeutung anderer Faktoren für die Arbeitsleistung von Spitzenkräften wird nämlich immer wieder unterschätzt.

An verschiedenen US-amerikanischen Hochschulen ist man sich sicher: Gerade das berufliche Umfeld -vor allem die Kollegen, aber auch die vom Arbeitgeber bereitgestellten Ressourcen  – spielt für die Leistung von Spitzenkräften eine entscheidende Rolle. Es kommt daher nicht selten vor, dass High-Performer nach dem Wechsel des Unternehmens deutlich geringere Leistungen bringen, als zuvor – einfach aus dem Grund, dass ihr Arbeitsumfeld sich geändert hat. “Wer glaubt, dass er mit teuren Abwerbungen seine Firma wettbewerbsfähiger macht, der liegt damit meistens falsch” subsummiert David Groysberg, Harvard-Ökonom, die Ergebnisse diesbezüglicher Untersuchungen.

Groysberg und sein Team untersuchten das Problem am Beispiel von Jobs in der Finanzindustrie. Sie beobachteten mehr als 1000 Top-Analysten an der New Yorker Wall Street – und kamen zu dem Ergebnis, dass deren Leistung nach einem Wechsel des Unternehmens teilweise jahrelang hinter ihrer vorherigen Performance zurückblieb. Bis zu fünf Jahre dauerte es für diese Analysten, um jene Kollegen wieder einzuholen, die den Arbeitgeber nicht gewechselt hatten. Fand der Wechsel von einer Branchengröße zu einer weniger erfolgreichen Bank statt, war der Leistungsabfall oft besonders groß. Da das Humankapital in der Finanzbranche einen großen Teil des Unternehmenswertes ausmacht, ist ein solcher Performancerückgang natürlich besonders schmerzlich.

Das Fazit der Untersuchungen von Groysberg? Unternehmen sollten es sich gut überlegen, ob sie teure Spitzenkräfte abwerben. Während bei Fusionen alle erdenklichen finanziellen Aspekte und andere Auswirkungen auf das Unternehmen genau beleuchtet werden, passiert dies bei der Abwerbung von Fach- und Führungskräften  in der Regel nicht. “Dabei ist das fast so, als würden Sie ein kleines Unternehmen kaufen.” Außerdem sollten Unternehmen Ihren Spitzenkräften vermitteln, welchen Anteil sie und das von ihnen bereitgestellte Arbeitsumfeld an deren Leistung haben – dann würden diese sich einen Wechsel des Arbeitgebers auch genauer durch den Kopf gehen lassen.

Wen die Abwerbung allerdings unvermeidlich erscheint, dann ist die beste Lösung, die Spitzenkräfte inklusive ihres gesamten Teams abzuwerben – an der Wall Street spricht man hierbei von „Lift out“ – laut Groysberg ein effizienter Weg, um Leistungsabfälle bei Top-Talenten zu verhindern.

Mehr zu diesem Thema finden Sie im Artikel “Firmenwechsel kann Karriere-Aus bringen” bei Zeit Online.