Karrierefaktor Mentoring
12. August 2010 in von Experteer>
Friedrich Schiller hat es getan, Angela Merkel auch und Luke Skywalker ebenso. Was diese drei gemeinsam haben? Wie viele andere erfolgreiche Menschen haben sie einen Mentor, also eine ältere, erfahrenere Person, die sie in Ihrer Karriere unterstützt.
Der Begriff Mentoring geht auf Mentor zurück, einen Freund des Odysseus. Als dieser in den Trojanischen Krieg zieht, übergibt er seinen Sohn Telemachos an Mentor und bittet ihn, Telemachos auf seine spätere Rolle als König von Ithaka vorzubereiten. Das tut Mentor auch und ist dabei nicht nur Lehrer sondern auch väterlicher Freund.
Die intensive persönliche Beziehung und das ehrliche Interesse des Mentors am Erfolg des Mentee sind das Besondere am Mentoring. Im Gegensatz zu anderen Methoden des Lernens wie Seminaren, etc. nimmt der Mentor direkt Einfluss auf die Person und begleitet sie in ihrem Alltag mit Feedbacks, Gesprächen und ggf. Kriseninterventionen. Intensiver und effizienter kann ein Entwicklungsprozess nicht sein.
Viele Mentoring-Beziehungen kommen informell zustande, etwa wenn ein Mentee eine Person, die für ihn Vorbild ist, um Rat fragt. Oder ein Mentor erkennt das Potenzial eines jungen Kollegen und will ihn unterstützen und fördern. Dies wird der Mentoring-Beziehung zwischen Helmut Kohl und Angela Merkel nachgesagt. Schwieriger gestaltete sich die Beziehung zwischen Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe. Dieser wollte erst nichts viel von dem jungen Dichter wissen, förderte ihn dann aber immer intensiver und wurde schließlich ein echter Freund.
Die Geschichte von Luke Skywalker ist eher ein Beispiel für die Mentoring-Beziehungen, die im beruflichen Kontext stattfinden. Der Nachwuchs-Jedi wird durch Meister Yoda (Vorgesetzter) ausgebildet. Allerdings weist Meister Yoda einige Merkmale auf, die einen guten Mentor ausmachen und bei realen Vorgesetzten eher selten sind. Er achtet auf die umfassende Persönlichkeits- („Geduld Du musst haben, mein junger Padawan“) und Kompetenzentwicklung („konzentriere Dich auf die Macht“) und sorgt dafür, dass Luke seine eigenen Erfahrungen sammelt, diese reflektiert und neue Lösungswege sucht.
Was im Film funktioniert, ist in der Realität sehr viel schwieriger zu realisieren. Erfahrungsgemäß wird ein Vorgesetzter selten ein guter Mentor sein. Die Rollen sind einfach zu unterschiedlich. Während der Vorgesetzte seinen Fokus auf die Organisationsziele legt, konzentriert sich der Mentor auf die Person des Mentee. Je nach Situation und Entwicklungsbedarf unterstützt ein guter Mentor den Mentee durch:
- Hilfe zur Selbsthilfe -> Coaching
- Anleitung und Ausbildung -> Training
- Vormachen und in der eigneen Tätigkeit begleiten lassen -> Vorbild
- Einführung in Entscheiderkreise -> Vernetzung
Wichtige Voraussetzungen für eine funktionierende Mentoring-Beziehung sind eine klare Zielsetzung, was durch das Mentoring erreicht werden soll und Rollenklarheit. In der Regel schließen Mentor und Mentee einen „Vertrag“, in dem sie regeln wer für welche Dinge verantwortlich ist, wie oft man sich trifft und was die gegenseitigen Erwartungen sind.
Meist werden sich Mentor und Mentee monatlich treffen und die Entwicklung seit dem letzten Treffen, aktuelle Fragen und das weitere Vorgehen bis zum nächsten Treffen besprechen. Durch Fragen, Empfehlungen und Feedback hilft der Mentor dem Mentee bei der Reflexion eigenen Verhaltens und der Entwicklung geeigneter Strategien für berufliches Handeln. Es wird somit sehr eng an der Realität gearbeitet und die konkrete Umsetzung (Transfer) steht im Vordergrund. Effizienter, individueller und zielorientierter kann lernen kaum sein.
Auch die Mentoren profitieren von einer Mentoring-Beziehung. Sie reflektieren ihr eigenes Führungsverhalten und ihre Strategien, z.B. hinsichtlich der Frage, ob diese noch zeitgemäß sind. Überhaupt ergibt sich durch die Arbeit mit einem Mentee für eine Führungskraft eine der seltenen Gelegenheiten, ein ehrliches Feedback und ungefilterte Informationen über die Realität im Unternehmen zu erhalten. So werden auch die Mentoren indirekt erfolgreicher, da sie sich permanent weiter entwickeln. Ganz im Sinne von Yoda: „Schwer zu sehen, in ständiger Bewegung die Zukunft ist.“
Für Mentor und Mentee gilt, dass ein Mentoring ihre Sichtbarkeit im Unternehmen erhöht. Durch die Zusammenarbeit werden andere aufmerksam und gerade für den Mentee ergeben sich Chancen, mit Entscheidern in Kontakt zu kommen, zu denen er sonst keinen Zugang hat. Hier kann man beweisen, was man kann und zeigt natürlich auch, wo die eigenen Grenzen liegen. Spätestens im Umgang mit den Mächtigen muss dem Mentee klar sein: “Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.” (Yoda)
Wenn Sie einen Mentor suchen oder selber als Mentor aktiv werden wollen, lohnt sich der Gang in die Personalabteilung. Dort kann man ihnen sagen, welche Mentoring-Programme im Unternehmen laufen, welche Führungskräfte als Mentor in Frage kommen, bzw. welche Kollegen noch einen Mentor suchen. Meist erhalten Sie dort auch unterstützendes Material und Begleitung, die Ihnen hilft sich auf ein Mentoring vorzubereiten.
Möge die Macht mit Ihnen sein!
—
Dies ist ein Gastartikel von Dr. Frank Edelkraut, Geschäftsführer der Mentus GmbH: www.mentus.de