Karriereplanung: Wechseln oder nicht, das ist die Frage!
9. Februar 2010 in von Sascha Schmidt
Folgende Faustregel hilft Ihnen, Ihren beruflichen Veränderungsbedarf zu bestimmen: Ein Tag pro Woche ohne Spaß im Job ist ok. Bei zwei Tagen sollten Sie an interne oder externe Veränderungen denken. Bei drei Tagen ohne Lust und Freude haben Sie den Ab- und Weitersprung nicht geschafft. Wie geht es Ihnen?
Damit die berufliche Veränderung nicht vom Regen in die Traufe steuert, sollten Sie sich bewusst mit Ihrer persönlichen Agenda und Ihren individuellen Zielen sowie zugleich mit Ihren Wünschen, Bedürfnissen und Ängsten auseinandersetzen. Je klarer Sie sich auf das Abenteuer eines Karriereschritts vorbereiten, umso größer ist die Chance, eines nachhaltigen Entwicklungsschritts – beruflich wie persönlich.
Bei der eigenen Standortbestimmung hilft es ungemein, sich mit dem bisherigen Lebensweg, seinen Emotionen und Wünschen sowie den beruflichen und privaten Fakten auseinanderzusetzen.
Ihre Persönlichkeit
Ein Geschäftsführer sagte mir einmal: „Alles was mich beruflich treibt ist der Satz meiner Eltern zu mir, dass es mir besser gehen solle als ihnen. Seitdem fühle ich mich gefangen im Hamsterrad der Karriere. Was habe ich noch außer der Arbeit?“ Wie ein Baum seine Lebenskraft aus den Wurzeln zieht und sich dann entfaltet, so schöpfen Sie Ihre Lebensenergie aus den Einflüssen Ihrer persönlichen Biographie. Vieles davon passiert unbewusst und äußert sich in Impulsen und Verhaltensmustern, die Ihnen helfen, erfolgreich zu sein, oder die Sie behindern.
Indem Sie auf eine persönliche Spurensuche gehen, können Sie sich wesentliche Einflüsse auf Ihre Ziele und Wünsche bewusst machen. Beispiel: Bei der Übernahme der Geschäftsführung des eigenen Familienunternehmens können Sie sich fragen, ob Sie darin Ihren Lebenssinn erfüllt sehen oder ob Sie da einer Tradition folgen, ohne es zu wollen. Zentrale Fragen, die Ihnen dabei helfen sind:
- Wie geht es Ihnen?
- Worin sehen Sie Ihren Lebenssinn?
- Worin sehen Sie Ihre Begabungen?
- Was veranlasst Sie, etwas zu tun?
- Was reizt Sie an …?
Wenn Sie sich diese Fragen im Gespräch oder allein schriftlich stellen und auf Ihre Antworten hören, werden Sie die Gründe nach Ihren Zielen und Wünschen erfahren. Wenn Sie selbstbestimmte Gründe haben, dann wird Ihnen die Umsetzung gelingen. Wenn die Gründe fremdbestimmt sind, dann sollten Sie sich schnellstens von ihnen lösen.
Ihre Interessen
Eine Verlagsmanagerin stieg nach dem Mutterschutz erfolgreich in einen neuen Job ein. Sie verzichtete auf den ihr zustehenden Firmenwagen in der Kategorie Audi A6. Stattdessen ließ sie sich den Autoanteil auszahlen und kaufte sich privat einen kleinen Fiat 500. Dies führte bei den meist männlichen Kollegen in der gleichen Führungsebene zu erheblichen Irritationen. Woran liegt das?
Oberflächlich scheint es eine andere emotionale Bindung zum Thema „Auto“ zu geben, wobei dies zu kurz greift. Bei der Karriereplanung habe ich mit ihr einen Interessens-Check gemacht. Im Gespräch war sie gefordert, zu folgenden Fragen Antworten zu finden:
- Wozu wollen Sie wieder arbeiten?
- Worauf kommt es Ihnen beim Wiedereinstieg ins Berufsleben an?
- Nach welchen Kriterien beurteilen Sie die Jobangebote?
Schnell stellte sich heraus, dass ihr die gute Betreuung ihres Kindes ein wesentliches Kriterium für die Entscheidungsfindung ist. Der Verzicht auf einen Firmenwagen bedeutet mehr Netto-Gehalt und sichert ihr die finanzielle Basis für die Kinderbetreuung.
Auf der Interessensebene können Sie Ihre Ziele erkunden. Sie werden dabei in Kontakt kommen mit Gefühlen und Werteinstellungen, die für Sie wichtig sind für eine Entscheidung. Hinterfragen Sie die Karriereangebote in Bezug auf Ihre Interessen. Wenn sie deckungsgleich sind, dann haben Sie eine Basis und sehr gute Chancen auf einen Erfolg. Widerspricht das Angebot Ihren Interessen, dann werden Sie mit der Entscheidung nicht glücklich.
Ihr Fakten-Check
„Mein Haus, mein Auto, mein Boot …“ – Sie kennen die Aufzählung von Fakten, die den Erfolgsmenschen charakterisieren soll. Das gefährliche daran ist, dass diese Symbole blenden können. Mit Geld lassen sich viele locken. Doch wenn Sie nur dem Geld wegen gegen Ihre Wünsche und Ziele handeln, dann werden Sie beruflich vielleicht an der Oberfläche erfolgreich und reich sein. Als Mensch, Partner und Elternteil besteht akute Gefahr, dass Sie verarmen.
Der Fakten-Check ist ein wichtiger Baustein für die Standortsbestimmung. Hier hinterfragen Sie sachlich die wichtigen Aspekte des bestehenden oder des neuen Jobs. Er sollte jedoch der dritte Schritt nach Klärung Ihrer Identität und Ihrer Interessen sein. Hilfreich sind Fragen wie:
- Wer, was, wann, wo, wie, wie viele …?
- Was fehlt …?
- Welche neutralen Kriterien gibt es für …?
- Wer ist von meiner Entscheidung mit betroffen?
Ihre ganzheitliche Karriereplanung
Gespräche in der Karriereberatung beginnen häufig mit der Klärung von Sachinformationen. Das ist gut so und klärt das Themenfeld. Ihre Chance liegt zugleich darin, dass Sie sich auf dieser Grundlage hinterfragen. Sie werden so auf Ihre eigentlichen Interessen und Ziele stoßen. Diese führen Sie zu Ihrem individuellen Charakter mit seinen Wertausprägungen und Antrieben. Je mehr Sie diese persönlichen Ebenen in Ihre Entscheidungen einbeziehen, desto selbstbestimmter und nachhaltiger wird Ihr Karriereschritt sein. Denn mit diesem Wissen werden Sie die Fakten für Sie angemessen neubewerten.
Denken Sie noch einmal an die Formel vom Anfang. Sie können in einem Beruf täglich Spaß und Freude an Ihrem Tun haben. Sie können bewusst und aktiv etwas Neues beginnen, sich im bestehenden Job weiterentwickeln oder eine Auszeit nehmen. Es liegt an Ihnen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!
Autor: Sascha Schmidt – Coaching, Consulting & Mediation in München



