Buchvorstellung: „Argumentieren unter Stress“ von Albert Thiele
5. Juli 2010 in von Experteer>
Kommunikation funktioniert immer dann am besten, wenn sich die Gesprächspartner den Grundprinzipien der Dialektik unterwerfen: Auf These folgt Antithese, das Ergebnis ist die Synthese aus Beidem und alle Teilnehmer bleiben dabei sachlich – soweit die Idealvorstellung. Leider verlaufen aber bei weitem nicht alle Gespräche so reibungslos.Der Ratgeber „Argumentieren unter Stress“ von Albert Thiele widmet sich jenen Situationen unseres Berufsalltags, in denen strukturierte kommunikative Auseinandersetzungen oft schwer fallen: Stresssituationen. Diese sind die wahren Herausforderungen der Kommunikation – vor allem dann, wenn der Gesprächspartner zu unsauberen Methoden wie Einschüchterungen, Behauptungen oder Killerphrasen greift.
Unsaubere Methoden abwehren und das Gespräch übernehmen
Stresssituationen gibt es im beruflichen Alltag viele, auch und gerade für Manager – und wir müssen nicht nur lernen, mit diesen umzugehen, sondern auch innerhalb dieser unsere kommunikative Souveränität zu bewahren. Albert Thiele verdeutlicht dies in seinem Karriereratgeber „Argumentieren unter Stress“ sehr anschaulich und erläutert dabei zunächst die Grundlagen des Argumentierens in verschiedenen Stresssituationen wie Kritikgesprächen, Verhandlungen und Präsentationen. Er geht aber auch noch einen Schritt weiter und widmet sich dem Thema „dirty tricks“ – dabei erfährt der Leser, woran er unkorrekte Verhaltensweisen seines Gesprächspartners früh erkennt und wie er diese am besten abwehrt. Das Ziel ist dabei laut Thiele, die Kontrolle über das Gespräch zu gewinnen und dieses im eigenen Interesse zu leiten. Ein beispielhafter Weg dahin ist die sogenannte Fünfsatz-Argumentation: Mittels einer guten Einleitung, drei wesentlichen Argumenten und einer daraus abgeleiteten Hauptaussage lassen sich Gespräche effizient gestalten und gleichzeitig in die richtige Richtung leiten.
Vorbereitung ist alles
Ein gut verlaufendes Gespräch beginnt nach Albert Thiele bereits bei der optimalen Vorbereitung, die seiner Meinung nach wie folgt ablaufen sollte: Zunächst müssen die Ziele bestimmt werden, die im Gespräch erreicht werden sollen. In einem zweiten und dritten Schritt werden dann der Gesprächspartner, die Gesprächssituation, das Gesprächsspektrum und das Gesprächsumfeld analysiert, um im vierten Schritt Argumente zu sammeln. Diese werden in Schritt fünf gewichtet und optimiert. Im sechsten Schritt sollten dann mögliche Einwände gegen die eigene Argumentationslinie durchdacht werden, um Reaktionen auf diese zu planen. Der letzte Schritt dient dann der konkreten Planung der Vorgehensweise im Gespräch. Werden all diese Schritte berücksichtigt, fällt es verhältnismäßig leicht, auch in Stresssituationen die Kontrolle über das Gespräch zu behalten.
Schlagfertigkeit kann man lernen!
Auch die Schlagfertigkeit spielt eine große Rolle in einem Gespräch unter stressigen Bedingungen. In „Argumentieren unter Stress“ beschäftigt sich Thiele auch mit diesem Aspekt der Kommunikation und nennt einige der wesentlichen Techniken, um die eigene Schlagfertigkeit zu verbessern. Dazu zählen beispielsweise gezielte Rückfragen, die dem Gesprächspartner gestellt werden und die „Gerade-weil“-Technik – bei dieser folgt auf einen Vorwurf keine Negierung, sondern dieser wird akzeptiert und gleichzeitig zumindest teilweise entkräftet: „Gerade weil Projekt ABC sich unglücklich entwickelt hat, ergeben sich nun die Möglichkeiten X, Y und Z.“ Auch die Retourkutsche ist ein guter Weg um schlagfertig zu reagieren, insbesondere auf sogenannte Killerphrasen wie „Das klappt sowieso nicht“. Wer solche Sätze anwendet, rechnet üblicherweise nicht damit, eine schlagfertige Antwort wie „Auf den ersten Blick mag das so scheinen – aber sie vergessen die Aspekte X und Y, die sprechen gegen ihre Aussage“ zu bekommen.
Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass Albert Thiele mit „Argumentieren unter Stress“ einen wirklich guten Karriereratgeber für Kommunikation unter schwierigen Bedingungen vorgelegt hat, der im Arbeitsalltag sehr hilfreich ist und vom Vorstellungsgespräch bis zum Mitarbeiterfeedback auf sämtliche praktische Situationen angewendet werden kann. Wenngleich die Hauptzielgruppe des Buches eindeutig Fach- und Führungskräfte sind, kann der Ratgeber durchaus auch für Menschen auf anderen Karriereleveln hilfreich sein. Durch seine übersichtliche Gliederung und den präsentationsgleichen Aufbau empfiehlt sich „Argumentieren unter Stress“ nicht nur zur einmaligen Lektüre, sondern auch als Nachschlagewerk. Und die beigefügten Übungen erleichtern die Vorbereitung auf kommunikative Stresssituationen insbesondere für diejenigen Leser, die sich mit diesem Themenfeld bisher nur wenig auseinandergesetzt haben.
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Thiele, Albert: „Argumentieren unter Stress. Wie man unfaire Angriffe erfolgreich abwehrt“
München, 2007: dtv
ISBN: 978-3899810172
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