Reichtum bedeutet nicht in erster Linie, viel Geld zu verdienen – Reichtum ist vor allem Unabhängigkeit und Freiheit. Davon ist zumindest Investmentbanker Gerald Hörhan überzeugt. Der Wiener erklärt in seinem Buch „Investment Punk“, was die Mittelschicht mit Hamstern gemein hat und warum erfolgreiche Menschen grundsätzlich systemkritisch sein müssen.

“Ich tue all die Dinge, von denen die meisten von euch nicht einmal zugeben, dass sie von ihnen träumen. Ich wohne an den feinsten Adressen von Frankfurt und Wien, besitze Luxusautos mit insgesamt mehr als tausend PS, esse in den besten Restaurants, tanze in den angesagtesten Clubs und treffe die schönsten Frauen der Welt.“ Auch wenn ein solch großspuriger Einstieg in ein Buch den Gedanken nahelegt, als Leser direkt auszusteigen – tun Sie es nicht, weiterlesen lohnt sich. Versprochen!

Unbequem und direkt

Gerald Hörhan ist Investmentbanker, Mitte 30, kommt aus Wien – und gehört zu jener Gruppe von Menschen, von denen man meist verkürzt sagt, sie hätten „es geschafft“. Dass gerade aus dieser Gruppe viele vermeintlich kluge Ratschläge für Karriere und Finanzen kommen, sind wir bereits gewöhnt. Bis hierhin überrascht Hörhans Buch also nicht. Überraschend ist da schon eher seine teils unverhohlenen Verachtung für die bürgerlichen Lebensentwürfe der Mittelschicht – hier sollte schließlich ein nicht geringer Teil seiner Leser zu finden sein. Was er von diesen hält? “Die naive Masse, das seid ihr. Auch wenn ihr es nicht glauben wollt, weil ihr euch als Bildungsbürger für etwas Besseres haltet.” Dass er sich um jeden Preis beliebt machen will, kann man Hörhan mit Sicherheit nicht vorwerfen.

Jenseits der üblichen Karriere-Empfehlungen

Im Verlauf des Buches konkretisiert der Autor seine Vorwürfe an das Bürgertum und dessen Lebensplan und zeigt seiner Meinung nach sinnvollere – und vor allem: wirtschaftlichere – Alternativen dazu auf. So plädiert Hörhan dafür, Immobilien nur als Spekulationsobjekte zu kaufen, die eigenen vier Wände aber zu mieten; er rechnet vor, warum die Anschaffung von Neuwagen keine Investition sondern gezielte Geldvernichtung ist und lässt zudem kein gutes Haar am Gros der Anlageberater und ihrer Empfehlungen. Ganz grundsätzlich spricht er sich in seinem Buch gegen Geschäfte auf Pump aus – Hörhan spricht vom „Schuldendienst“, der einem Hamsterrad gleicht – und dafür, das Leben als „Investmentpunk“ zu führen, der das System an sich hinterfragt, mit Kreativität aus gesellschaftlichen Konventionen ausbricht und auf diesem Weg beruflichen Erfolg und Individualismus kombiniert.

Auch wenn dem Buch von Gerald Hörhan gelegentlich etwas Tiefgang fehlt und die Tipps für Karriere und beruflichen Erfolg teilweise noch konkreter sein könnten: Bei „Investment Punk“ handelt es sich um ein definitiv lesenwertes Buch, das sowohl amüsiert als auch so manchen „Aha“-Effekt in sich birgt – und das nicht nur für die „bürgerliche Mittelschicht“ mit Bausparvertrag, Aktienportfolio und Neuwagen.

Hörhan, Gerald B.: „Investment Punk. Warum Ihr schuftet und wir reich werden.“
Wien, 2010: edition a
ISBN: 978-3990010082

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