Frauen in die Führungsetagen: Kampf dem Korpsgeist!
18. August 2010 in von Experteer>
“Ich will und kann einfach nicht akzeptieren, dass ein Land wie Deutschland es nicht schafft, einen angemessenen Anteil von Frauen in Aufsichtsräten zu haben.“ Dieser Satz stammt nicht etwa von Alice Schwarzer, sondern von Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus Peter Müller. Damit spricht Müller ein heikles Thema an, denn nur ein Bruchteil von Deutschlands Aufsichtsräten ist weiblich. Das Problem: Homogen besetzte Gruppen – dazu zählen Deutschlands Aufsichtsratsetagen ohne Frage – neigen zu Betriebsblindheit. Doch warum endet die Karriere von Frauen oftmals schon vor der obersten Führungsetage, wo es doch zahlreiche Frauen mit Jobs im Management gibt?
Während Länder wie Norwegen oder die Niederlande schon längst festgelegte Frauenquoten in der heimischen Wirtschaft durchgesetzt haben, sträubt man sich in Deutschland immer noch gegen diesen Schritt. Obwohl die Zahlen klar dafür sprechen würden: Gerade mal acht Prozent der Aufsichtsräte in Deutschlands 600 wichtigsten börsennotierten Unternehmen sind weiblich – und das, obwohl zahlreiche Studien zu dem Schluss kommen, dass Unternehmen mit Frauen in der Führungsetage nachhaltiger erfolgreich sind und höhere Gewinne erzielen.
Die Grund für den messbaren Erfolg von (zumindest teilweise) weiblich geführten Unternehmen liegt auf der Hand: In homogen besetzten Gruppen stellt sich relativ schnell Betriebsblindheit ein – betroffene Eliten sprechen meist von „Korpsgeist“ -, strukturelle oder taktische Fehler werden dann meist nicht bemerkt, da alle Beteiligten die „gleiche Schule“ durchlaufen haben. In heterogen besetzen Gruppen passiert dies naheliegenderweise nicht im gleichen Ausmaß, hier wird tendenziell eher auch mal in einer andere Richtung gedacht – so können Fehler oft vermeiden werden.
Von einer homogenen Gruppe kann man angesichts von mehr als 90 Prozent Männeranteil in den wichtigsten deutschen Aufsichtsräten durchaus sprechen – warum aber ist das so, wenn ein höherer Frauenanteil aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoller wäre? Für Personalberater Heiner Thorborg liegt die Antwort auf der Hand: “Wir haben einfach noch nicht genügend Frauen” – zumindest solche, die sich eine Führungspositionen auch zutrauen: “Es gibt einfach noch zu wenig weibliche Vorbilder.” Währenddessen sieht Unternehmensberatern Monika Schulz-Strelow das Problem auf struktureller Ebene in den Aufsichtsräten und nicht bei den Frauen selbst: “Die Decke, die wir durchstoßen müssen, ist härter als Beton.”
Mehr zu diesem Thema finden Sie in dem Artikel „Frauen – härter als Beton“ bei der Süddeutschen Zeitung.