Selbstmarketing, Self Marketing, Ego-Marketing – die Omnipräsenz dieser Begriffe im Kontext von Karriere und Bewerbung wirft die Frage auf, welchen Nutzen diese Form der marktbezogenen Selbstpräsentation hat. Benötigt heutzutage jeder Mensch eine USP, um Erfolg im Beruf zu haben? Brauche ich einen Account bei Twitter und ein eigenes Blog, um von potenziellen Arbeitgebern und Geschäftspartnern wahrgenommen zu werden? Wir werfen einen Blick hinter den Trend Selbstmarketing im Internet.

Wer hat’s erfunden?

Auch wenn das Thema Selbstmarketing erst in den vergangenen Jahren verstärkt ins Blickfeld des öffentlichen Diskurses geraten ist  - nicht zufällig parallel mit der Zunahme privater Blogs und dem Aufkommen des Web 2.0 -, handelt es sich doch um ein vergleichsweise altes Konzept, das in seinen Ursprüngen bis ins 18. Jahrhundert zurückgeht. Niemand geringerer als der Adolph Freiherr Knigge war es, der mit seinem Buch „Über den Umgang mit Menschen“ die Grundlage für erfolgreiche Selbstrepräsentation legte. Und auch eines der berühmtesten Bücher zum Thema Selbstmarketing überhaupt – „Wie man Freunde gewinnt. Die Kunst, einflussreich und beliebt zu werden“ – erschien bereits im vorigen Jahrhundert. Der Name des Autors Dale Carnegie steht nicht umsonst bis heute für erfolgreiches Selbstmarketing – unter dem gleichen Namen werden seit über 100 Jahren Trainingsprogramme mit den von Dale Carnegie konzipierten Methoden angeboten.

“Ich” als Marke

Die Idee hinter dem Konzept des Selbstmarketing ist, die eigene Persönlichkeit als Marke zu positionieren. Dabei geht es um das bewusste Darstellen von Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmalen. Durch die Etablierung der eigenen Kompetenzen und Eigenschaften als Marke kann Vertrauen geschaffen werden. Als wesentliche Elemente des Selbstmarketing werden heutzutage neben dem Auftreten, den Umgangsformen und der Kleidung primär Selbstrepräsentationen im Internet gesehen. Hier können insbesondere Social Media Dienste wie Twitter, Blogs und soziale Netzwerke genutzt werden, um sich bewusst zu präsentieren und die eigene Marke zielgerichtet zu schärfen. Andererseits werden im Internet aber oft auch Spuren hinterlassen, die dem eigenen Image unter Umständen schaden. Daher kommt im Zusammenhang mit Selbstmarketing immer häufiger das Thema Online Reputation Management ins Gespräch – die gezielte Suche und Löschung von Internetbeiträgen, die dem eigenen Image schaden.

Ist das notwendig?

Des Pudels Kern ist bei all diesen Betrachtungen aber doch die Frage: Ist das wirklich nötig? Sicherlich ist ein eigenes Blog oder ein Twitteraccount nicht essenziell notwendig, um als Marke wahrgenommen zu werden. Mit Ausnahme der kommunikations- und onlineaffinen Branchen werden Bewerber in den meisten Fällen nicht danach beurteilt, wie gut sie sich im Internet selbst verkaufen. Allerdings muss hier zwischen Social Media Selbstrepräsentationen auf der einen Seite und Profilen bei Online-Karrierediensten und Business-Netzwerken auf der anderen Seite differenziert werden: Während Blogs und Twitteraccounts unter „kann, muss aber nicht“ fallen, sind Bewerberprofile im Netz in Zeiten von aktiv nach Kandidaten suchenden Unternehmen und Headhuntern essenziell.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass Sie abgesehen von Bewerberprofilen nicht zwangsläufig im Internet präsent sein müssen – wenn Sie es aber doch sind, dann unbedingt und ausschließlich in positiv konnotierten Kontexten!